Kunst & Kultur

Wanderausstellung “Werner & Hans-Bernd von Haeften und der Widerstand des 20. Juli 1944”

Ausstellung

Das Niemöller-Haus in Berlin widmet den Brüdern Werner und Hans-Bernd von Haeften eine Ausstellung über Widerstand, Verantwortung und Glauben im Nationalsozialismus

Im Niemöller-Haus, einem zentralen Erinnerungsort evangelischer Opposition gegen das NS-Regime, rückt eine Ausstellung zwei Männer in den Mittelpunkt, deren Lebenswege exemplarisch für den deutschen Widerstand stehen: Werner und Hans‑Bernd von Haeften. Die Schau verbindet biografische Spurensuche mit einer grundsätzlichen Frage: Welche Rolle spielten Glaube und Gewissen, wenn sich Einzelne gegen die Diktatur stellten?

Die Brüder von Haeften entstammen einer preußisch geprägten, zugleich protestantisch verwurzelten Familie. Aufgewachsen im Berliner Grunewald, fanden sie ihre geistliche Heimat in der Dahlemer Gemeinde um den Theologen Martin Niemöller – jenem Pfarrer, der zu den bekanntesten Stimmen der Bekennenden Kirche gehörte. Hier, am heutigen Ausstellungsort, nahm eine Haltung Gestalt an, die später in den aktiven Widerstand münden sollte.

Die Ausstellung zeichnet diese Entwicklung nach: von der religiösen Prägung über die frühen Zweifel am Nationalsozialismus bis hin zur bewussten Entscheidung, sich einem verbrecherischen System entgegenzustellen. Werner von Haeften, Jurist und enger Vertrauter Claus Schenk Graf von Stauffenbergs, gehörte zum innersten Kreis des Attentats vom 20. Juli 1944. Sein Bruder Hans‑Bernd arbeitete im Auswärtigen Amt und nutzte seine Position, um oppositionelle Netzwerke zu unterstützen.

Beide bezahlten ihren Einsatz mit dem Leben. Nach dem Scheitern des Attentats wurden sie von den Nationalsozialisten hingerichtet. Ihre Geschichten stehen exemplarisch für jene oft isolierten, moralisch begründeten Entscheidungen, die sich gegen Anpassung und Opportunismus richteten.

Im Niemöller-Haus wird diese Geschichte nicht nur dokumentiert, sondern in einen größeren Zusammenhang gestellt. Briefe, Fotografien und zeitgenössische Dokumente zeigen, wie eng das persönliche Glaubensverständnis der Brüder mit ihrem politischen Handeln verbunden war. Der Widerstand erscheint hier nicht als spontane Tat, sondern als Ergebnis einer Überzeugung und Haltung.

Zugleich stellt die Ausstellung eine Verbindung zur Gegenwart her. Sie fragt danach, was aus diesen Biografien heute gelernt werden kann – in einer Zeit, in der demokratische Werte erneut unter Druck geraten. Der Blick auf die Brüder von Haeften wird so zu mehr als historischer Erinnerung: Er wird zur Aufforderung, Verantwortung zu übernehmen.

Dass diese Ausstellung gerade im Niemöller-Haus stattfindet, ist kein Zufall. Der Ort steht selbst für eine Tradition des Widerspruchs aus religiöser Überzeugung heraus. In der Begegnung von Ort und Biografie entsteht ein dichtes Geflecht aus Erinnerung, Reflexion und Mahnung.

So entfaltet die Ausstellung eine stille, aber nachhaltige Wirkung. Sie erzählt nicht nur von Mut und Konsequenz, sondern auch von Zweifel, Risiko und Verlust. Vor allem aber macht sie deutlich: Widerstand beginnt nicht erst in der Tat – sondern im Denken und im Gewissen.

Die Ausstellung “Werner und Hans-Bernd von Haeften und der Widerstand des 20. Juli 1944” kann bis 31. Mai besucht werden. Die Wanderausstellung kann auch gemietet werden, Kontakt: rharmsen@web.de.

Kategorie: Kunst & Kultur

von

Rieke C. Harmsen. Digitales, Medien, Kunst, Geschichte. Chefredakteurin Online / Change Management / Digitalisierung Kuratorin / Dozentin / Fundraiserin