Wie wird ein Ort mit bewegter Geschichte wieder lebendig? Die Ausstellung „Politik.Kultur.Gesellschaft – Das Volkshaus in Weimar“ zeigt: durch Beteiligung. In meiner kuratorischen Beratung der VHS Weimar bei der Planung der Ausstellung lag ein besonderer Fokus auf interaktiven Elementen, die Erinnerungen hörbar, Geschichten sichtbar und demokratische Teilhabe erfahrbar machen.
Ein Haus voller Stimmen – und wie man sie hörbar macht
Das Volkshaus in Weimar ist mehr als ein Gebäude. Es ist ein Resonanzraum politischer Debatten, kultureller Praxis und gesellschaftlicher Begegnungen über Generationen hinweg. Als die Stadt Weimar das lange leerstehende Haus 2024 übernahm, stellte sich schnell eine zentrale Frage: Wie lässt sich diese vielschichtige Geschichte so vermitteln, dass sie nicht nur betrachtet, sondern erlebt wird?
In meiner beratenden Tätigkeit für das Ausstellungsprojekt lag ein besonderer Schwerpunkt auf der Entwicklung und Schärfung interaktiver Vermittlungsformate. Ziel war es, die Ausstellung nicht als abgeschlossenen Erzählraum zu denken, sondern als offene Plattform, die ihre Inhalte aus der Beteiligung der Menschen speist – damals wie heute.
Interaktion als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Ein zentrales Element der Ausstellung sind die Podcasts mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. In der Beratung wurde darauf hingewirkt, diese Beiträge nicht lediglich digital als Zusatzmaterial bereitzustellen, sondern sie räumlich und sinnlich erfahrbar zu machen. Die Entscheidung, die Audioinhalte über QR-Codes zugänglich zu machen und zugleich an einem historischen Radio vor Ort anhörbar zu präsentieren, ermöglicht einen niederschwelligen Zugang zum Thema und eine atmosphärische Verdichtung.
Lernen durch Tun: Ausstellung als Prozess
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Beratung betraf die Verbindung mit den Kursen und den Arbeitsbereichen der Volkshochschule. Fotografie, Urban Sketching und Podcast-Produktion wurden zum integralen Bestandteil der Ausstellung. Sie zeigen das Volkshaus als einen Ort, der sich immer wieder neu aneignet und interpretiert wird. Interaktivität bedeutet hier also nicht nur „Mitmachen“, sondern auch Mitgestalten, Mitdenken und Mitverantworten.
Demokratie im Ausstellungsraum
Das Projekt versteht sich explizit als Beitrag zur Stärkung demokratischer Kompetenzen. Interaktive Elemente spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie eröffnen Räume für Dialog, Perspektivwechsel und kritische Auseinandersetzung. In der Beratung wurde deshalb empfohlen, Formate zu entwickeln, die nicht nur Informationen vermitteln, sondern Fragen stellen:
- Welche Erinnerungen verbinden wir heute mit dem Volkshaus?
- Wem gehört die Geschichte dieses Ortes?
- Wie soll seine Zukunft aussehen?
Solche Fragen wurden in die Ausstellung integriert, etwa durch Feedbackmöglichkeiten, partizipative Tafeln und die digitale Ergänzung. Der Ausstellungsraum wird so zum sozialen Raum, in dem kulturelle Bildung als gemeinschaftlicher Prozess erfahrbar wird.
Fazit: Interaktion als Haltung
Die Arbeit am Ausstellungs-Projekt der VHS Weimar zeigt beispielhaft, wie Ausstellungen heute gedacht werden können: nicht als statische Präsentationen, sondern als offene, dialogische Formate. Interaktive Elemente sind dabei kein dekoratives Add-on, sondern Ausdruck einer kuratorischen Haltung, die auf Teilhabe, Vielstimmigkeit und Prozessualität setzt.
Der Jahresbericht des VHS mit dem Bericht über die Ausstellung ist unter diesem Link zu finden.
